Bankenregulierung Image
Berater des Wirtschaftsministers wollen die Banken stärker regulieren. Darunter könnten auch die Verbraucher leiden. Foto: andresr/iStock

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, ein Gremium der Aufsichtsbehörden der wichtigen Industrie- und Schwellenländer, will die internen Modelle von Banken einschränken, mit denen die Geldhäuser ihre Risiken und damit ihren Kapitalbedarf selbst berechnen. Stattdessen sollen alle Institute nicht zu stark von einem Standardansatz abweichen. Der Nachteil: Dadurch erhöhen sich die Eigenkapitalanforderungen für Wohnimmobilien, aber auch Infrastrukturvorhaben – und solche Kreditvergaben würden für Banken unattraktiver. Darunter würden wohl besonders die Verbraucher leiden.

Fatal ist die Annahme, dass alle Banken mit einem einzigen Ansatz reguliert werden können: Unterschiedliche Geschäftsmodelle beinhalten unterschiedliche Geschäftsrisiken. So können die international agierenden Großbanken ihre Anlagen zwar breiter streuen, dafür sind die lokal tätigen Institute weniger den Risiken der globalen Kapitalmärkte ausgesetzt. Deshalb muss es eine individuelle bankinterne Risikomessung geben. Die wichtige Aufgabe der Aufsicht ist sicherzustellen, dass diese Modelle die Risiken der Bank auch korrekt widerspiegeln und die Bank genügend Eigenkapital gegen Verluste besitzt.

Das dies in Deutschland funktioniert, belegen die Statistiken: Ausfallgefährdet sind nach Daten der Weltbank lediglich 2,3 Prozent der Kredite; im europäischen Durchschnitt ist diese Quote mehr als doppelt so hoch. Ein Grund für dieses gute Ergebnis ist die konservative Kreditvergabe in Deutschland. Die geringen Kreditausfälle haben den Banken zudem den Aufbau von Eigenkapital erleichtert. Laut Auswertungen der Deutschen Bundesbank ist die Kernkapitalquote der deutschen Institute mit über 12 Prozent mehr als doppelt so hoch wie vorgeschrieben.

Anstatt die Regulierung zu verschärfen, sollte sie so gestaltet werden, dass sie zum Geschäftsrisiko der Banken passt: Einerseits darf ihnen zwar nicht erlaubt werden, unverhältnismäßige Risiken einzugehen, andererseits sollten die Banken aber auch nicht zu sehr in ihrer normalen Geschäftstätigkeit eingeschränkt werden. Diese Gefahr besteht aber, wenn die Regulierung alle über einen Kamm schert, ohne die jeweiligen Geschäftsmodelle der Banken – von regional bis global tätig – zu berücksichtigen.

Ansprechpartner

Themen

Veranstaltung
Veranstaltung, 23. November 2017

20. Finanzmarkt Round-Table Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik – Erlösung oder neuer Schock?Arrow

Während die einen ein schnelles Ende des Niedrigzinses herbeisehnen, befürchten andere einen neuen Schock mit Rückwirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, die DekaBank und die Börsen-Zeitung laden ein zum 20. Finanzmarkt Round-Table in Frankfurt am Main. mehr

IW-Kurzbericht, 4. August 2017

Markus Demary Investing in the Stock Market: The Long-Term View MattersArrow

After the internet bubble collapsed in 2000, German households have reduced their investments in the stock market. Losses at that time were not so much caused by market volatility, but the consequence of short-term speculation. However, putting savings into the stock market can be very profitable for households, when the investment horizon is sufficiently long. mehr

Finanzmarktexperten erwarten stabile Aktienkurse und steigende Zinsen
Gastbeitrag, 22. Mai 2017

Markus Demary auf wallstreet-online.de Finanzmarktexperten erwarten stabile Aktienkurse und steigende Zinsen Arrow

Die Experten von Banken und Versicherungen erwarten, dass die Zinsen im kommenden Quartal weiter steigen. Zugleich rechnen sie mit einem höheren Ölpreis und einem schwächeren Euro. Das geht aus dem ersten IW Financial Expert Survey des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hervor. Er führt den früheren Prognosetest des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fort. mehr